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Brezelkäfer Bj. 1950

Brezelkäfer Bj. 1950

Manchmal kommt es anders und sogar schneller als man denkt: nachdem unser Ovali 1992 nach achtmonatiger Restaurierung wieder auf der Straße war und sich gut in unseren Fuhrpark eingefügt hatte (wir hatten zu dem Zeitpunkt schon ein 1302 Cabrio von 1972 und einen SunnyBug Bj. 1984) machte ich im Familienkreis die eher flapsige Bemerkung: „jetzt fehlt nur noch ein Brezelkäfer“, ohne zu ahnen wie schnell dieser Traum Wirklichkeit werden sollte.

Eines Abends sprach mich meine damalige Freundin und heutig Frau Christiane an: „Ich hab heute den Transporter von Andreas (Chef der Werkstatt meines Vertrauens für Arbeiten, die ich nicht selbst erledigen konnte) mit einem Brezelkäfer gesehen!“ Oha!

Und es kam, wie es kommen mußte: bei meinem nächsten Besuch in der Werkstatt wurde ich gefragt, ob ich Interesse an einem Brezelkäfer hätte. Was für eine Frage! Nur, meine finanziellen Möglichkeiten waren zu dem Zeitpunkt eher bescheiden. Wenn dann aber der Vater auch noch Wind von der Sache bekommt… Kurz und gut: ein paar Tage später stand das neue Projekt in unserer Garage!

Ein Brezelkäfer Bj. April 1950 noch mit Seilzubremsen, originaler Motor in Teilen dabei, bis auf die hintere Stoßstange und die Rückleuchten waren alle Anbauteile vorhanden, Zustand in Ordnung aber halt restaurierungsbedürftig. Acht Monate Restaurierung wie beim Ovali waren auf keinen Fall zu schaffen, aber Zeit spielt bei einem solchen Projekt ja eine eher untergeordnete Rolle.

Also los: restliche noch montierte Anbauteile entfernt, Karosserie abschleifen, ein paar kleine Schweißarbeiten erledigen lassen und ab zum Lackierer. Hört sich einfach an, hat aber seine Zeit gedauert.

Gleichzeitig die Motorenteile gesäubert und auf Beschädigungen überprüft. Den Zusammenbau mit einigen Neuteilen (Lager, Kolben, Zylinder, Dichtungen) hab ich dann auch besser der Werkstatt überlassen.

Nach der Lackierung, die leider etwas länger als geplant gedauert hat (sag nie einem Lackierer, dass Zeit eine eher untergeordnete Rolle spielt…) wurde der „wartende“ Motor montiert und seitdem läuft und läuft und läuft er tadellos. In der Werkstatt wurden noch die Seilzugbremsen erneuert und dann kam wieder mein Teil der Arbeit.

Die Komplettierung des Käfers ist dann glücklicherweise etwas schneller gelaufen als geplant (wenn man nicht alles selbst macht…), so dass nach ca. 20monatiger Arbeitszeit der TÜV-Termin für die erforderliche Ganzabnahme anstand. Was soll ich sagen: ohne Mängel. Zulassung auf reserviertes Kennzeichen am gleichen Tag und dann mal ab auf die Straße. Welch ein Gefühl und doch welch ein Unterschied zum Ovali!

Wohin hat uns unser Brezelkäfer nicht schon alles in den vergangenen Jahren gebracht? Urlaubsfahrten an die Nordsee – hier bevorzugt auf unsere Lieblingsinsel Ameland um das für unseren Fuhrpark obligatorische Foto am Leuchtturm zu machen – aber auch zu Treffen in Bad Camberg oder Hessisch-Oldendorf oder zu einigen Treffen der Brezelfenstervereinigung und des Luchtgekoelde VW Club Nederland, wo ich auch seit einigen Jahren Mitglied bin. Selbst am BFV-Clubstand der Techno-Classica durfte ich meinen Brezelkäfer 2014 präsentieren!

Nur ein einziges Mal hat uns unser Brezelkäfer im Stich gelassen. Wir waren zum Klassiekerweekend auf Ameland und am letzten Tag vor der Abreise haben wir noch eine Rundfahrt über die gesamte Insel gemacht. Plötzlich fing der Motor ohne Vorwarnung an zu stottern und ging unerwartet aus. Was war das? Ein Startversuch und der Motor sprang sofort wieder an. Wir konnten ein kurzes Stück fahren und schon war wieder Feierabend. Was tun? Mit Mühe und Not haben wir es so per „stop an go“ bis auf die Fähre geschafft und auch Gott sei Dank wieder herunter.

Aber an eine Weiterfahrt bis nachhause war nicht zu denken. Über den ADAC wurde der niederländische ANWB zu uns geschickt, der Monteur freute sich auch ein solches Fahrzeug mal wieder in den Finger zu bekommen, konnte uns letztendlich aber nicht weiterhelfen. Also wurde ein Transporter geordert und tief in der Nacht waren wir huckepack wieder daheim.

Am nächsten Tag habe ich dann eher per Zufall den Fehler doch noch gefunden: es war wie schon öfter gehört der Bolzen der Benzinpumpe, der einen großen Drang nach Freiheit verspürt hatte. Hätte ich doch nur am Vortag genau hingesehen! Der Fehler wäre leicht vor Ort zu beheben gewesen. Wieder einmal: kleine Ursache – große Wirkung.

Eines ließ mir aber über längere Zeit keine Ruhe: In einer alten Ausgabe des Brezelfensters hatte ich einen Bericht von Hanss Lange über Merkmale der CCG-Käfer (Control-Commission for Germany) gelesen. Einige dieser Merkmale konnte ich an meinem Brezelkäfer wieder finden, eine entscheidende Numer im Bodenblech in der Nähe der Batterie war aber nicht zu finden, da genau hier vom Vorbesitzer mal das Bodenblech teilweise erneuert worden war. Sollte mein Brezel ein CCG-Käfer sein? Also eine Anfrage im Brezelfenster gestartet und auf fachkundige Reaktionen gewartet. Und diese sollten auch kommen, leider gingen diese Reaktionen aber von „auf keinen Fall“ über „könnte vielleicht sein“ bis zu „ja, das ist ein CCG-Käfer“. Was sollte ich davon halten? Das VW AutoMuseum konnte mir auch nicht so recht weiter helfen. Doch eines Tages bekam ich eine Mail von Dr. Ulrich von Pidoll mit einer Kopie eines Kfz-Briefes von einem Käfer, der wie meiner an die gleiche Stelle der Britischen Rheinarmee ausgeliefert worden war. Im Kfz-Brief war eindeutig der Vermerk „CCG-Wagen“. Daraus konnte ich nunmehr folgern, dass mein Käfer auch ein CCG-Käfer sein muß.

Hier noch einige technische Daten zum Fahrzeug:

Produktionstag: 21. April 1050

Farbe: Sandfarbe L90

FIN: 1-016 0326

Motor:   24,5 PS Nr. 1-0191473

 

Christoph Weyers

Bildergalerie

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